Freitag, 15. November 2013

Interview mit Sebastian Müller von "Kettlebell Fitness Athletics" Weimar

An Sebastian kommt man ja nicht vorbei, wenn man sich für Hardstyle Kettlebell Training interessiert. Er ist ein Pionier was das Training mit der Kugel im Osten von Deutschland angeht und erreicht mit seinen interessanten BLOG-Einträgen mittlerweile halb Deutschland. Ich kreuzte vor ca. sieben Monaten seinen Weg, als in Weimar die erste HKC-Zertifizierung abgenommen wurde und bin mir sehr sicher, unser RKC-Weg begleitet uns noch sehr lange. Ich freue mich sehr, das Sebastian sich die Zeit nahm um uns Rede und Antwort zu stehen. Doch lest selbst...

Kettlebell-Rheinland: 
Hi, Sebastian! Sonst bist Du es ja immer der die Leute interviewt und Fragen stellt, heute sind wir einfach mal neugierig und fragen bei Dir nach. Seit September 2011, mit Eröffnung Deines eigenen Athletikstudios in Weimar,  steht Dein Name immer mehr für qualifiziertes KB Training in Deutschland. Dein Weg geht scheinbar immer geradeaus und steil nach oben, da interessieren uns auch Deine Anfänge. Kannst Du Dich noch an Deine erste Begegnung mit der Kettlebell erinnern? Wann und wo war das, und was war Dein erster Eindruck von den Eisenkugeln? War für Dich sofort die Leidenschaft entbrand?

Sebastian: 
Hallo Pia und Samuel. Danke für Eure Fragen und dass ich mich hier auf Kettlebell Rheinland vorstellen darf.

Wie die meisten von uns, bin ich im Internet über die Kugeln gestolpert. Das war im Sommer 2009. Nachdem ich mich ein wenig über das Training mit der Kettlebell schlau gemacht hatte, bestellte ich mir für das Training zu Hause eine 24kg Kettlebell.

Als die Kugel eintraf, wurde erst einmal wie wild geswingt. Ich dachte zumindest das ich swinge. Heute wissen wir beide, dass es keine Swings waren. ;) Trotzdem war das Gefühl auf diese Weise ein Gewicht zu bewegen so anders, dass ich sofort Blut geleckt hatte. Zu der Zeit hatte ich noch ganz traditionell im Fitnesscenter trainiert.

Zirka drei Monate nachdem die 24kg Kugel bei mir eintraf und eine zwischenzeitliche Bestellung einer 16kg Kettlebell, meldete ich mich bei Kai in Leipzig zu einem Einsteiger Seminar für das Kettlebell Training an. Im März 2010. Das weiß ich noch genau denn es war der zweite Geburtstag meiner Tochter. Jaja, du musst Prioritäten setzen und Einsteiger Seminare waren Mangelware zu der Zeit.

Nach dem Seminar hat das Kettlebell Feuer bei mir lichterloh gebrannt. Ihr dürft Euch also bei Kai bedanken, dass ich Euch wöchentlich mit Blogposts rund um die Kettlebell zu spamme und regelmäßig im Training und den Seminaren quäle. :)

Kettlebell-Rheinland: 
Wie fandest Du zum RKC und was hat Dich dazu motiviert die Ausbildung zum RKC Instruktor zu absolvieren? War es von Beginn an Dein Ziel als Trainer im eigenen Studio zu arbeiten, wo standest Du beruflich zu dieser Zeit und wie reifte der Entschluß zum eigenen Studio?

Sebastian: 
Die ersten Gedanken über eine mögliche Trainerlizenz kamen mir nach dem Seminar bei Kai. Er bereitete sich zu der Zeit auf seinen RKC vor und wir hatten uns ein bisschen darüber unterhalten. Ich wußte zwar schon über das Enter the Kettlebell Buch und die DVD von Pavel von der RKC, hatte aber keine Ahnung das es in Deutschland Leute gibt die sich gezielt damit beschäftigen. Kai meinte beiläufig, dass es in München ein paar Verrückte gibt bei denen er eine RKC Vorbereitung machte.

Zu der Zeit hatte ich noch keine Pläne als Trainer zu arbeiten. Ich sah es eher als Bereicherung für mein eigenes Training. Die B-Lizenz zum Fitnesstrainer hatte ich vorher auch schon angefangen, um meine persönliche Neugier zu stillen und um mein eigenes Training im Studio zu verbessern.

Nach 6 Jahren Nürnberg zog ich 2006 mit meiner Frau zurück nach Thüringen und war seitdem als Angestellter in der Logistikbranche tätig. Vorher habe ich 10 Jahre als Stuckateur gearbeitet. Mit Familiengründung im Hinterkopf war Bau aber keine Option mehr. Ich bin also ein klassischer Quereinsteiger der seine Passion zum Beruf gemacht hat. ;)

Als ich mit dem Kettlebell Training begann, las ich parallel viele Bücher übers positive Denken und mein Motto wurde „Setze Dir große Ziele“. Ein halbes Jahr nach meinem Kettlebell Seminar, machte ich ein Praktikum im regionalen Fitnessstudio, um endlich meine B-Lizenz fertig zu machen. Quasi als Vorbereitung für die praktische Prüfung.

Der im Studio eingemietete Rehaverein suchte zu der Zeit händeringend einen Übungsleiter. Da ich gerade da war, bot ich meine Hilfe an und ein paar Wochen danach war ich Übungleiter für Rehasport. An den Wochenenden habe ich dann noch als Fitnesstrainer im Studio gejobt.

Meine eigene Trainingsphilosophie änderte sich zu der Zeit komplett, vor allem durch das mitlesen auf den Seiten und Büchern von Trainergrößen aus Amerika und meiner Teilnahme am HKC. Statt Training für die Optik, hin zu Training für den Alltag. Bestärkt hat mich dabei auch, dass ich obwohl ich kaum noch im Studio trainierte und wenn dann nur mit den Kettlebells, ich mich trotzdem bei den klassischen Übungen im Studio steigerte. Und das viel schneller als vorher wo ich gezielt auf diese Übungen hintrainiert hatte.

Als ich sah wie der Alltag eines Fitnesstrainers im Studio aussah, kam mir das erste Mal der Gedanke für ein eigenes Studio. Ich wollte unbedingt Trainer sein und kein Verkäufer und ich wollte Training anbieten für das ich mich selbst begeisterte und von dem ich überzeugt war, dass es den Leuten auch wirklich etwas bringt.

Dank Gesetz der Anziehung verkrachte sich der Reha Verein mit dem Studio. Und so war ich spontan arbeitssuchend. Ein guter Zeitpunkt einen Businessplan zu schreiben. :) Nebenbei habe ich als Kursleiter in einem anderen Fitnessstudio gejobt. Das war ziemlich cool, weil ich mich da ausspinnnen konnte. Ich gab Rückenfitness, Body Pump und noch andere Kurse. Doch im Prinzip habe ich immer das Gleiche System angewendet. Die Entwicklung der Kursteilnehmer war krass und es hat allen Spaß gemacht. Das gab mir Rückenwind. So ist unser heutiges Fitness Boot Camp entstanden.

Kettlebell-Rheinland: 
Du hattest ja noch die große Ehre Pavel Tsatsouline persönlich bei Deiner RKC Zertifizierung kennenzulernen. Was sind Deine Erinnerungen an diese Zeit?

Sebastian: 
Diese Erfahrung war super! Nach dem HKC 2011 unter Peter Lakatos stand für mich fest, dass ich auch meinen RKC machen werde. Rückblickend eine meiner besten Entscheidungen. Der Moment als Pavel die Halle betrat, ist mir gut im Gedächtnis hängen geblieben. 

In der Halle war es auf einmal ganz ruhig. Wahnsinn was Pavel für eine Ausstrahlung hat. Alle waren sich einig einen Kraftzuwachs von 10% erhalten zu haben, als Pavel die Halle betrat... ;) 
Ein bisschen viel Kult, aber gefetzt hat es trotzdem. 

Unter Leuten wie Pavel, Peter Lakatos, Gabi Katschthaler, Fabio Zonin und meinem Teamleader Tommy Blom zu lernen, war ein tolles Gefühl. Meine Vorbereitung ist auch optimal verlaufen und so konnte ich viel von dem dreitägigen Workshop mitnehmen. Trotz harter Workouts in den "Pausen". Besonders gefreut hatte mich, das ich mit meinem Mentor und Freund Kai, der seine Zerti 2010 erneuerte, durch dieses Wochenende gehen durfte. Und auch die anderen Jungs haben mich super unterstützt und es war ein starkes Gefühl im Team Germany abzuliefern.

Kettlebell-Rheinland: 
Wo siehst Du Dich in den nächsten 5 Jahren? Was ist Dein nächstes Ziel und auf welche negative Erfahrung hättest Du gern verzichten können?

Sebastian: 
In 5 Jahren muss jeder Thüringer wissen was eine Kettlebell ist, wie eine saubere Pistol Squat ausgeführt wird und das es bei dem Satz „Ich kann das nicht“ 15 Burpees drohen  :) Kettlebell Fitness Athletics soll weiter wachsen. Die Members, das Team, der Blog und die Fans auf Facebook.

Generell will ich Systeme wie RKC, PCC, Primal Move und FMS in Thüringen und Deutschland bekannter machen und den Leuten Alternativen zum 08/15 Studiotraining bieten. Meine persönlichen Ziele sind im nächsten Jahr der RKC II und die Verbesserung bei den fortgeschrittenen Übungen im Calisthenics Training.

Der Fokus liegt bei mir ausschließlich auf den positiven Dingen im Leben. Wenn es was Negatives gab, habe ich das längst verdrängt. :)

Kettlebell-Rheinland: 
Wir wissen, das Du wahnsinnig ehrgeizig bist. Welche Übung oder welche Kugel hat Dich verzweifeln lassen und wie hast Du dann doch die Nuss geknackt?

Sebastian: 
Meine Baustelle im Kettlebell Training ist der Press. Hier alles über 28kg. Meine rechte Schulter mag diese Übung einfach nicht. Geknackt habe ich die 32kg mit russischem Leitertraining und der aktiven Negativen. Beim Calisthenics Training ist es der freie Handstand. Ich übe den schon eine ganze Weile. Unterm Strich müsste ich einfach nur noch mehr üben, also will ich hier nicht rumheulen.

Die Erfahrungen vom PCC Workshop in Schweden motivieren gerade extrem und der Fokus liegt gerade stark auf dem Calisthenics Training. Ich habe also noch Hoffnung für meinen Handstand. :)

Kettlebell-Rheinland: 
Beschreibe uns doch mal eine ganz normale Trainingswoche von Dir. Wie viel Zeit investiert Du in Deine Trainingseinheiten und worauf liegt Dein Fokus?

Sebastian: 
Wie eben schon geschrieben, steht gerade das Training mit dem eigenen Körpergewicht im Fokus. Das werde ich noch bis Ende des Jahres so handhaben, bevor dann im Januar die Vorbereitung auf den RKC II beginnt und die Kettlebell wieder voll in den Fokus rückt und die Calisthenics Übungen das Training abrunden.



Hier ist ein kleiner Auszug aus meinem derzeitigen Trainingstagebuch:

07.11.2013

1. Ellbow Lever holds 10 Sek. x6
2. Horizontal Pulls 8 x2, 6 x2
3. Stand to Stand Bridge holds 15 Sek. x4
4. Fingertip holds 30 Sek. x3

Abends: Handstand practice

08.11.2013

1. Back Lever tucks 5 Sek. x6
2. Shrimp Squats 6/6 x4
3. Human Flag tucks 5 Sek. x4
4. Block weight cleans to reverse curls 5/5 x3

09.11.2013

Primal Move Flow

10.11.2013

1. Handstand practice x10
2. Pull Ups 6 x4
3. L-sit holds 15 Sek. x4
4. Fingertip holds 30 Sek. x3

Abends: Headstand practice

11.11.2013

1. Front Lever tucks 10 Sek. x6
2. Archer Push Ups 8/8 x4
3. Straight Leg Raises 8 x3
4. Band Curls 20 x3

12.11.2013

Primal Move Flow

13.11.2013

1. Ellbow Lever holds 12 Sek. x6
2. Horizontal Pulls 8 x4
3. Stand to Stand Bridge holds 20 Sek. x4
4. Fingertip holds 30 Sek. x3

Auf den Tag verteilt dann immer wieder Primal Move bei den Warm Ups in den Kursen und hier und da ein paar Swings & TGU's im Kettlebell Club.

Die Einheiten dauern in der Regel mit Warm Up nie länger als 45 Minunten und gehen nie ins Muskelversagen. Frisch rein, Frisch raus. Die Trainingspläne ändern sich in der Regel alle 3 Wochen, wobei ich meistens das Gleiche mache nur ein bisschen anders. 

Kettlebell-Rheinland:  
Vielen Dank Sebastian, das Du dir die Zeit für dieses ausführliche Interview genommen hast. Wir wünschen Dir für all Deine Ziele und Wünsche ganz viel Erfolg und wenn bei uns alles weiter so rund läuft, werden wir wohl zusammen die RKC II - Zertifizierung bestreiten. :)

Viele Liebe Grüße aus Köln an Dich und Dein Team!
Pia und Samuel.

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